Vom Biathlon aufs Rennrad – und das für den guten Zweck: Am 3. Oktober 2026 ist Magdalena Neuner erstmals beim LILA LOGISTIK Charity Bike Cup in Ditzingen-Heimerdingen dabei. Den Anstoß gab ihre frühere Biathlon-Kollegin Simone Hauswald – und Neuner sagte spontan zu. Im Gespräch erzählt die erfolgreichste deutsche Biathletin aller Zeiten, warum sie sich nach langer Zeit wieder aufs Rennrad schwingt, wie viel Ehrgeiz noch in ihr steckt und welche Rolle der Biathlon heute in ihrem Leben spielt. Außerdem spricht sie über ihr Leben abseits des Leistungssports und eine Herzensangelegenheit: soziales Engagement für Kinder.
Magdalena Neuner, Sie sind in diesem Jahr zum ersten Mal beim LILA LOGISTIK Charity Bike Cup dabei. Wie ist es dazu gekommen?
Magdalena Neuner: Meine ehemalige Biathlon-Kollegin Simone Hauswald hat mich angerufen und mir von der Veranstaltung erzählt. Sie meinte, dass es dort immer sehr familiär und nett ist – und natürlich für einen guten Zweck. Sie hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einmal mitzumachen. Da habe ich spontan zugesagt.
Sitzen Sie in Ihrer Freizeit denn häufiger auf dem Rad?
Ja, schon. Ich fahre aber eigentlich fast nur Mountainbike. Wir wohnen in einer sehr bergigen Region, auf den Straßen ist unglaublich viel los. Deshalb bin ich lieber etwas abseits unterwegs. Für den 3. Oktober musste ich mir tatsächlich erst einmal wieder ein Rennrad besorgen. (Lacht.)
Wie lange ist es denn her, dass Sie zuletzt auf einem Rennrad gesessen haben?
Früher bin ich viele tausend Kilometer im Jahr gefahren. Aber mittlerweile bin ich seit ungefähr 15 Jahren nicht mehr auf dem Rennrad gesessen. Mountainbike fahre ich dagegen viel, auch mit den Kindern.
15 Jahre? Dann wird der LILA LOGISTIK Charity Bike Cup ja fast zu einem kleinen Rennrad-Comeback. Können Sie da überhaupt gemütlich mitfahren oder kommt irgendwann doch die ehemalige Leistungssportlerin durch?
Ich bin sehr froh, dass wir die Tour machen und nicht das Race. [Die Tour wird ohne Zeitnahme gefahren, das Race hat Renncharakter, Anm. d. Red.] Für das Race fühle ich mich im Moment nicht fit genug und ich glaube, da würde dann doch wieder der Ehrgeiz durchkommen. Man möchte ja irgendwie gut sein und nicht völlig hinterherfahren.
Der Ehrgeiz ist also doch noch ein bisschen da.
Ein bisschen schon. (Lacht.) Aber mit der Tour bin ich sehr happy. Ich glaube, da werden wir einfach ein schönes, gemütliches Tempo fahren. Es geht ja nicht ums Gewinnen, sondern darum, einen schönen Tag zu haben – und etwas Gutes zu tun.
Sie engagieren sich regelmäßig für soziale Zwecke.
Ich finde es unglaublich wichtig, etwas zurückzugeben. Es gibt in unserer Gesellschaft viele Menschen, die es nicht einfach haben. Für mich sind besonders Kinder eine Herzensangelegenheit, auch weil ich selbst Mama von einer Tochter und zwei Jungs bin. Ich finde, dass Kinder das schwächste Glied in unserer Gesellschaft sind.
Wie präsent ist Biathlon noch in Ihrem Leben?
Gar nicht mehr so viel. Natürlich, Biathlon war 16 Jahre quasi mein Leben. Und vieles von dem, was ich heute beruflich machen darf, ist noch mit dem Sport verbunden. Trotzdem habe ich inzwischen einen gewissen Abstand.
Sie wurden sehr früh zu einem Gesicht des Biathlons. Die Menschen haben sich plötzlich nicht mehr nur für die Ergebnisse, sondern auch für die Person dahinter interessiert.
Das ging bei mir wirklich relativ schnell. Bei der Weltmeisterschaft 2007 war ich noch ein totaler Newcomer. Aber schon nach meiner ersten Goldmedaille habe ich sofort gemerkt: Die Menschen interessieren sich plötzlich für viel mehr als nur für das sportliche Ergebnis.
Sie waren gerade einmal 19 Jahre alt. Wie geht man mit dem ganzen Trubel um?
Gerade am Anfang war noch sehr viel Unbeschwertheit dabei. Aber natürlich kamen irgendwann auch Dinge dazu, die sich eher schwer als leicht angefühlt haben. Heute, mit fast 40, würde ich wahrscheinlich vieles bewusster genießen.
Sie haben Ihre Karriere sehr früh mit 25 Jahren beendet. Wenn Sie heute zurückblicken: War das der richtige Zeitpunkt?
Absolut. Mein Bauchgefühl und mein Kopf haben mir damals gesagt, dass es die richtige Entscheidung ist. Von außen waren viele der Meinung, es sei falsch. Aber es geht nicht darum, was andere denken. Für mich war es auch ein Erfolg, meiner eigenen Stimme zu folgen. Ich bin sehr dankbar, dass ich selbst entscheiden konnte aufzuhören, während ich noch Spaß am Sport hatte.
Welchen Sport betreiben Sie heute am liebsten?
Ich bin mittlerweile eigentlich eine richtige Breitensportlerin. Im Urlaub haben wir zum Beispiel Tennis und Tischtennis gespielt, waren klettern, Fußball spielen, auf dem Trampolin und reiten. Wir haben eigentlich für die Kinder ein Pferd gekauft – aber mittlerweile nehme ich selbst Reitunterricht. (Lacht.) Ich merke dann, dass auch wieder ein gewisser Ehrgeiz kommt und ich mich verbessern möchte. Da steckt schon die Sportlerin in einem.
Da haben wir ihn also wieder, den Ehrgeiz vom Anfang.
Ein bisschen ist er schon noch da Ich mag einfach diese Vielfalt. Wir machen gerne Bergtouren, fahren Fahrrad oder gehen schwimmen. Alles ohne Druck, aber mit Bewegung. Ich bin einfach gerne draußen und in der Natur.
Dann passt der LILA LOGISTIK Charity Bike Cup ja sehr gut. Was erwartest Du von dem Tag?
Ich freue mich auf ein schönes Miteinander. Gerade bei Charity-Veranstaltungen finde ich die Stimmung häufig besonders schön. Die Menschen haben Lust, dabei zu sein, und alle verbindet ein guter Gedanke. Ich wünsche mir ein freundschaftliches, friedvolles und harmonisches Miteinander, bei dem wir gemeinsam Sport für die gute Sache machen und am Ende jeder etwas für sich im Herzen mitnimmt.
(Interview: Gina-Maria Wiemers)